Vorsicht: Abzocke mit der OBD2-"Sprit-Spar-Box"

VW-KäferSeit die Spritpreise im Angesicht des Russland-Ukraine-Konflikts stark gestiegen sind, denkt so mancher Autofahrer über Sprit-sparen nach – oder auch nicht. Für letzteres spricht die Beobachtung, dass weiter gefahren wird, als gäbe es kein Morgen. Auch der Fahrstil ändert sich nicht wirklich, wie man diesem Artikel entnehmen kann. Aber es gibt doch diese cleveren OBD2-"Sprit-Spar-Boxen", die man sich zulegen könnte?


Anzeige

Box zum Sprit-sparen?

Die kleinen Elektronikmodule fungieren unter Namen wie Eco OBD 2 Economy Fuel Saver, ecoOBD2, Nitro OBD2 oder EcoVex, und werden auf Handelsplattformen wie Amazon/Amazon Marketplace, AliExpress, eBay etc. angeboten. Nachfolgendes Angebot habe ich auf Amazon gefunden.

Eco OBD 2 Economy Fule Saver

Man soll das Bauteil in die OBD 2-Buchse des Autos (haben alle modernen Fahrzeuge) stecken, und kann anschließend Sprit sparen, wird versprochen. In obiger Anzeige findet sich die Angabe 15% Kraftstoffersparnis. Klingt echt genial, und das "eco"-Modul ist für schlappe 11 Euro zu haben. Diese Schweizer Webseite hat sogar eine "Gebrauchsanleitung".

Die Redaktion von heise hat sich diese Einheiten im Labor angesehen und seine Erkenntnisse im Artikel Benzin sparen: Abzocke mit blinkenden Kraftstoffsparsteckern veröffentlicht. Zitat der Kollegen:

Die zwischen 5 und 40 Euro teuren Stecker passen in die Buchse für die Onboard-Diagnose OBD2, die fast alle Fahrzeuge seit rund 20 Jahren haben. Die vermeintlichen Sparstecker sind jedoch fabrikfrischer Elektroschrott. Auch der ADAC stellte keine Wirkung fest.

Die Kollegen haben sich im Artikel viel Mühe gegeben, und erklärt, warum das Nepp ist und auch die Module bzw. deren Innenleben inspiziert. Es handelt sich also um Dummenfang. Beim Schreiben dieses Beitrags habe ich noch diesen Post gefunden, wo jemand sich zwei solcher Module für zwei Fahrzeuge gekauft und 2018 darüber berichtet hat. O-Ton: Nach diesem zweiten Test bin ich soweit, dass ich eindeutig sagen kann: Der BE-Fuelsaver bringt nichts. Muss jetzt vorsichtig sein, aber als Ingenieur habe ich über die Tragik-Komik der Ausführungen des "Testers" der Art:

Ich bin ein offener Mensch und probiere manchmal auch gerne etwas, was nicht zum Mainstream gehört. Bis ich über etwas urteile, setzte ich mich selber ins Bild und rede nicht leichtfertig etwas schlecht. Bei diesem Produkt bin ich mit meiner Geduld aber definitiv am Ende.

doch arg schmunzeln müssen. Immerhin hat der Mensch am Ende des Tages doch noch seine Einsicht gewonnen, dass da "außer Spesen nix gewesen" gilt.

Sprit sparen …

Wer Sprit sparen möchte, lässt das "heilig's Blechle" halt gelegentlich stehen. Gut, ich bin nicht das Maß aller Dinge, arbeite ich doch seit fast 29 Jahren im HomeOffice – und die Treppe im Haus ist zu schmal, um mit dem "Auto ins Büro zu fahren". Auch sonst laufen meine Frau und meine Wenigkeit zum Bäcker, zum Sport etc., wo andere per Karosse vorfahren.


Werbung

Gewundert habe ich mich aber doch, als meine Frau vorige Woche Mittwoch meinte "heute war der Sprit bei der Tankstelle billig, als ich dran vorbei fuhr". Mittwoch ist Einkaufstag, wo mehrere Stellen für die Wocheneinkäufe angefahren werden. Als ich dann fragte "und, hast Du getankt", kam nur "wie denn, der Tank ist doch noch fast voll" zurück. Und ich so "aber der letzte Besuch bei der Tankstelle ist doch bereits einen Monat her?". Zeigt, wie wenig wir aktuell mit dem Auto fahren – und nein, es ist kein Elektroauto oder Hybrid-Fahrzeug.

Fahrweise hilft Sprit sparen

Gestaunt habe ich aber trotzdem, wie man mit der Fahrweise den Kraftstoffverbrauch reduzieren kann. Lagen wir bisher bei längeren Strecken immer bei 6,5 l/100 km, hatte ich bei der vorletzten längeren Fahrt auf der Autobahn häufiger den Tempomat bei 120 km/h eingeschaltet. Der Verbrauch sank auf 5,5 l/100 km. Hat meine Frau, laut eigener Aussage, noch getoppt. Beim letzten Besuch eines Familiengehörigen in einem 200 km entfernten Pflegeheim bin ich auf der Hinfahrt am Steuer gesessen. Auf der Rückfahrt fuhr meine Frau – und es ging "Spitz auf Knopf" aus.

Beim Start zur Rückreise meinte ich nur "wollen wir an der Tankstelle da schnell nachtanken?". Wollte die Fahrerin nicht – und ich habe die Gunst der Stunde genutzt, über die gut 2 stündige Reisezeit meist in Morpheus-Armen zu schlummern. Heißt: Der Beifahrer hat vollstes Vertrauen in die Fahrerin (umgekehrt wird das Bodenblech auf der Beifahrerseite auf "Beule ausgebremst" – was ich überhaupt nicht verstehen kann).

So gut 40 km vor der Heimatadresse ging dann die Tankkontrollleuchte an und meldete wenig Benzin. Ich bekam das mit, als ich aufwachte und das gelbe Zeichen auf dem Armaturenbrett sah. Fahrerin meinte nur lapidar "das gelbe Ding da leuchtet schon eine ganze Weile" – und mir ging nur "Mist, kein Reservebenzinkanister dabei, und das auf der Autobahn" durch den Kopf. Grob überschlagen, ergab, dass der Sprit für die Heimfahrt gerade reichen sollte, wenn die Fahrerin spritsparend agiert – Überraschungen nicht ausgeschlossen.

So ein gutes Stück vor der Autobahnausfahrt zum "Heimathafen" hörte ich links die Verlautbarung "Oh,  die gelbe Tank-Warnleuchte ist ausgegangen, da steht, der Tank ist bald leer. Das hatte ich noch nie!". Da ich aber nicht "Pilot" war, habe ich nur "na prima" gedacht und der Dinge, die da kommen, geharrt. Es war noch genug Sprit im Tank, um die Autobahnabfahrt zu nehmen. Es war noch genug Sprit da, zum Nachbarort unseres "Heimathafens" zu fahren – und die Tankstelle war auch geöffnet. Aber so viel habe ich noch nie getankt.

Zuhause angekommen, fragte die Fahrerin beim Aussteigen "und was hattest Du für einen Durchschnittsverbrauch bei unserer letzten Fahrt"? Dieser wird beim Ausschalten des Motors auf der Anzeige kurz eingeblendet. Stolz meldete ich meine 5,5 l/100 km – um dann "hach, 4,8 l/100 km" unter die Nase gerieben zu bekommen. Ob die Fahrerin geflunkert hatte, habe ich nicht eruiert – aber die Episoden zeigen, dass der Fahrstil einen großen Einfluss auf den Verbrauch hat (auf der letzten Fahrt wurde Tempo 100 auf der Autobahn probiert – an der Fahrzeit änderte sich praktisch nichts, aber der Verbrauch sank nochmals merklich).

PS: Aktuelle Erkenntnis – Mann hat sich vor 48 Jahren eine biologische Spritsparbox angelacht – wer hätte das gedacht – die Biologie ist halt flexibel …

PPS: Der ADAC hat den Artikel Sprit sparen: Die 10 besten Tipps veröffentlicht – der ist kostenlos, da muss nix eingebaut werden, es braucht keinen Tüv und die Ratschläge haben Hand-und-Fuß.

Ähnliche Artikel:
Der Jung soll was anständiges lernen
Meine „Schrauberjahre"-Teil 1: Der Führerschein …
Meine „Schrauberjahre"-Teil 2: Das neue Moped …
Meine „Schrauberjahre"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht …

Lack am Auto geht ab, hältst Du im Kopf nicht aus
TÜV-Report 2022: Die unzuverlässigsten Autos 2021
Problem der leeren 12 Volt-Batterie beim Elektroauto (z.B. Tesla 3)
Immer Ärger mit dem E-Auto …
Geschafft: Das Elektroauto Cupra Born kommt im Herbst 2021
Risiko Keyless Go-Systeme beim Auto: Kein Schutz bei Diebstahl
Montagsauto Tesla Modell 3 … und VW ID3 überholt Tesla
Die Bedeutung des Autos ist in den letzten Jahren gestiegen

Mein R4 und der erste Urlaub in Holland
Mein Datsun Cherry: Sportcoupé und Lastwagen in einem
Mein Autodealer fürs Leben

Ich Pseudo-Rentner …
Abenteuer COVID-19-Impfung: Wenn Borns geimpft werden
Heckenschnitt: Ich habe den Reinhard Mey gemacht …
Der Ritter der Heckenschere: Der Lavendel-Schnitt
Der Schuhkauf …
Gesunde Bewegung: Der Kauf der Barfußschuhe
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 1
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 2
Ich hab die Marie Kondō gemacht … Teil 3
Sommer, Sonne, Boule-Kugeln und ein Pastis …
29.4. ist Welttag des Tanzes
Yellow Press: Bill Gates lässt sich scheiden und andere Katastrophen
Gruß aus dem Karbon, oder wie ich Huflattich für Bärlapp hielt
Sommer, Sonne: Mann braucht Grill …
Hey, it's Barbecue-Time – Grillsaison eröffnet


Cookies blockieren entzieht uns die Finanzierung: Cookie-Einstellungen

Anzeige


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Technik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Vorsicht: Abzocke mit der OBD2-"Sprit-Spar-Box"

  1. chw9999 sagt:

    Ha, schöner Artikel :)

    In der späten 80ern/jungen 90ern hatte ich einen Jetta Diesel, ca. 60 PS Rakete, Marke "lieber krepieren als den Schwung verlieren". Als armer Student war da nichts mit rasen… Also entspannt fahren, einen manuellen Taster für das Sprit-Magnetventil dazu eingebaut – zum motorlosen Ausrollen an Ampeln etc, und viel Geduld :)
    Ein Bekannter war Schildermacher und hat mir dann den Spruch hinten drauf geklebt: "Nur 4,5l/100km! Noch Was?" Seinerzeit unglaubliche Verbrauchswerte, am Ampeln wurde gerne gefragt, ob das denn stimme – ja, tat es :D

    Meine derzeitige Familienschaukel schafft das nicht Mal ansatzweise, leider. Aber sie wird auch kaum bewegt, setzt schon Algen und Pilze an. Unser Lastenrad hingegen schaukelt häufiger die Kids, und alle zwei Monate schauen meine Frau und ich uns an, ob wir nicht doch das Auto verkaufen sollen… Aber mit Kids braucht man es halt doch ab und an für längere Strecken…

  2. Peter Agil sagt:

    Ich habe das Teil für meinen Bergepanzer gekauft und konnte meinen Spritverbrauch von 200 l/100 km auf 50 l/100 km senken. Darüber hinaus habe ich noch 300 Nm mehr Drehmoment. Absolute Kaufempfehlung, aber nur für Bergepanzer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert