Musik zum Sonntag: 10cc – Dreadlock Holiday

Plattenspieler mit LP, Word Record Store DayIn der heutigen Musik zum Sonntag habe ich ein Reggae-Stück mitgebracht. Wir beamen uns zurück in das Jahr 1978, als die britische Band 10cc einen Ausflug in das Genre Reggae wagte. Passt irgendwie zum November, um den Winter-Blues und den Lockdown-Koller zu vertreiben. Urlaub, Karibik, lockeres Leben, laufen am Strand von Jamaika, so die Vorstellung. Auch wenn das Stück eine andere Wirklichkeit beschreibt.


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10cc ist eine aus Eric Stewart, Kevin Godley, Graham Gouldman und Lol Creme bestehende britische Rockband aus Manchester. Gegründet 1966 hatte die Gruppe 1970 (noch ohne Graham Gouldman) unter dem Namen Hotlegs mit Neanderthal Man einen Nummer-2-Hit in England. Ab 1972 trat die Formation dann unter dem Namen 10cc in Erscheinung. Godley und Creme verließen die Band 1976, um selbst eine erfolgreiche Karriere unter dem Namen Godley & Creme zu starten. Für sie kamen Paul Burgess bzw. Stuart Tosh (Schlagzeug), Duncan Mackay (Gesang und Keyboard) und Rick Fenn (Gesang und Gitarre) zur Gruppe hinzu. Die größten Erfolge feierte 10cc in den 1970er Jahren.

Das Stück Dreadlock Holiday erschien 1978 und wurde von von Eric Stewart und Graham Gouldman (Songschreiber für viele Bands) geschrieben. Ich erinnere mich vor Jahren an eine Fahrt an den in Nordhessen gelegenen Edersee, um dort einige Urlaubstage zu verbringen. Auf der Fahrt lief dann ein Interview mit dem Autor – ich weiß nicht mehr genau, ob es Stewart oder Gouldman war . Jedenfalls erzählte der Song-Schreiber, dass er nach einem erfolgreichen Musikprojekt (ich glaube in Südfrankreich) in die Karibik in Urlaub flog. Der Wikipedia entnehme ich, es der Moody-Blues-Sänger Justin Hayward und Eric Stewart gewesen sind, die 1977 auf Barbados Urlaub machten.

Der Flug war spontan in England gebucht worden und eigentlich wollte man in der Karibik relaxen. Stattdessen wurde der Musiker auf Schritt und Tritt durch Einheimische bedrängt, die sofort fragten ‚mögt ihr Cricket‚ und drängten, Wertgegenstände herauszugeben. Daher der Text ‚I don’t like Cricket‘. NDR gibt die Begebenheit hier so wieder, das Justin Hayward von den Moody Blues am Strand zu sah, wie Sänger Eric Stewart von der Band 10cc an einem Gleitschirm hängend von einem Motorboot durch die Luft gezogen wurde. Zwei Einheimische und ein Jamaikaner standen dabei und der letztgenannte haute Hayward an „Ey, Du hast da eine hübsche Silberkette! Ich gebe Dir einen Dollar dafür!“ Hayward lehnte ab, woraus sich ein Disput entspann – daher die Zeile mit dem Silver-Dollar im Song. Hayward erzählte Eric Stewart von der Geschichte, worauf dieser mit Graham Gouldman einen Song aus der Szene und dem missglückten Urlaub machte, der dann zum Hit wurde.

Ich habe noch dieses YouTube-Video gefunden, wo Graham Gouldman (der Song-Schreiber, hat für die Yardbirds, die Hollies und weitere Gruppen Erfolgstitel geschrieben) die Geschichte aus seiner Sicht wiedergibt (leider in Englisch mit niederländischen Untertiteln). Er bestätigt, dass er mit Stewart über Urlaubserfahrungen austauschte. Stewart war ja auf Barbados, während Gouldman auf Jamaika Urlaub gemacht hat. Es war ein fatal gescheiterter Urlaub und Gouldman hing im Hotel herum. Er unterhielt sich mit einem Angestellten über Sport und fragte, ob er Cricket liebe. Der antwortete ‚I don’t like Cricket‘. Darauf antwortete Gouldman ‚I love it‘. Gouldman erzählt auch die Story mit der Silberkette, die Justin Hayward erlebte. Daraus entspann sich dann der Text des Songs, der sich teilweise aus Fakten, teilweise aus Fiction speist.  

Ich denke, das Stück dürfte jeder Blog-Leserin und jedem Blog-Leser schon mal untergekommen sein. Als es heraus kam, näherte sich das Ende meines Studiums ein Jahr später und ich habe das sehr gerne gehört und ich höre es noch heute recht gerne. Es weckt die Erinnerung an diese unbeschwerte Jugendzeit und den Sommer. Genug der Vorbemerkungen, einfach mal in das Stück reinhören. Das Stück lässt sich hier auf YouTube anhören – und hier gibt es einen Live-Auftritt aus der Night of the Proms 2019, also 41 Jahre später (ja, wir sind alle ein bisschen älter geworden). In diesem Sinne viel Spaß beim Hören und schönen Sonntag.

Plattenspieler mit LP, Word Record Store Day
(Plattenspieler mit LP, Quelle: Pexels/Pixabay CC0 Lizenz)

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1 Antwort zu Musik zum Sonntag: 10cc – Dreadlock Holiday

  1. Remo sagt:

    Einfach nur schön … so ein ‚Besuch‘ aus der eigentlich recht entspannten Zeit, Dekaden zurück.

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